Theater Das letzte Kleinod spielt „Sturmflut”

Das Theater „Das letzte Kleinod” zeigt seine fünfte Spiekerooger Inszenierung: „Sturmflut”. Dokumentarisch aufgearbeitet werden die Ereignisse  von 1962, als im Dorf der Deich brach. Die Sturmflutnacht wird aus vier Perspektiven nacherzählt. Gespielt wird im alten Doktorhaus. Die Zuschauer wandern von Raum zu Raum. Das Foto oben zeigt Margarita Wiesner. Nach einer Tournee auf dem Festland kommt das Theater Ende Dezember, im Februar und im März wieder auf die Insel.

Mit dem Dokumentartheaterstück „Sturmflut“ wagt sich Regisseur Jens-Erwin Siemssen in die jüngere Spiekerooger Historie: Anders als bei den bisherigen Insel-Inszenierungen „Der Untergang der Johanne“ von 1854, das Walfängerschicksal aus dem 18. Jahrhundert „Die verlorenen Söhne“, „Knüppelkrieg“ aus der napoleonischen Besatzungszeit Anfang des 19. Jahrunderts und „Armada“ mit der Legende eines 1588 gestrandeten spanischen Schiffs beleuchtet das Theater diesmal die Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962. Zeitzeugen berichten, wie sie die Sturmflut auf der Insel erlebten: Andreas Uhlein spielt einen Soldaten, der im Lkw gen Küste zum Füllen von Sandsäcken abkommandiert wird. Margarita Wiesner stellt Insulanerin Ingeborg dar, wie sie an ihrem 13. Geburtstag im Hotel Günsel den Deichbruch vor der Haustür erlebte. Vanessa Thüring spielt Uli Bauer, der die Naturkatastrophe am Deich und an der zerstörten Givtbude erlebte. Robin Bongarts mimt Hans Wiethorn, der damals von Bürgermeister Martin Hansen zum Einsatzleiter berufen wurde. Alle vier Schauspieler erzählen rückblickend aus der Vergangenheit, wie sie die Sturmflut vor 55 Jahren in Erinnerungen behalten haben. Wie beim Letzten Kleinod üblich, steckt in dem Dokumentartheater wieder jede Menge Recherche von Autor Siemssen und Produzentin Zindi Hausmann. Gespielt wird im alten Doktorhaus im Noorderloog, der heutigen Heimat der DLRG. Das denkmalgechützte Gebäude hat das Ensemble für die sieben mehrtägigen Aufführungsblöcke im Erdgeschoss faktisch ausgeräumt. Der Chor mit zwölf Insulanerinnen – die musikalische Leitung hat wieder Shaul Bustan – singt und summt größtenteils im Verborgenen. Die Darsteller führen die Besucher in kleinen Gruppen durch vier Stationen. Die dunkle Jahreszeit passt zu den Abendvorstellungen in dem perfekt ausgeleuchteten Schauspielort besonders gut: Die Dar-steller klettern teilweise durch die Fenster und beziehen den Garten des alten Doktorhauses mit ins Geschehen ein. Das Letzte Kleinod spielt die vier Szenen teilweise um das Publikum herum: In „Sturmflut“ ist die Atmosphäre noch intimer als bei den „Verlorenen Söhnen“ in der Strandkorbbaracke West oder „Armada“ in der alten Inselkirche: Die Zuschauer sitzen mit auf den Lkw-Bänken und fahren zum Einsatzort, dürfen  in der Küche beim Abtrocknen helfen oder die Bretter der Givtbude festhalten. Apropos Bretter: Diese Requisite ist Original-Strandgut und stammt aus den Ende 2016 angeschwemmten vier Containern. Aus Jute-Sandsäcken werden Doornkaat-Flaschen. Und die Figuren des Gesellschaftsspiel „Greif zu“ symbolisieren Menschen im Sturm und ins Dorf drängendes Wasser. Genial einfach oder einfach genial. Genial „Das letzte Kleinod.“

Lesen Sie in unserer aktuellen Nr. 24/2017 vom 25 November 2017:

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Den inselboten gibt es 26 mal in diesem Jahr neu: 

 Die nächste Ausgabe erscheint am 16. Dezember 2017.