Sensation: 4 Flamingos auf der Ostplate

Schaut man sich die Photos an, so wird der ein oder andere an seinen unvergesslichen Urlaub vor Jahren in der Camargue östlich von Saintes-Maries-de-la-Mer erinnert. Die wilde Landschaft, das Meer, weiße Wildpferde, schwarze, auch schon mal schlecht gelaunte Stiere, die Vaccarès (meernahe Salzseen), auf Sand angebauter Listel-Roséwein und natürlich auch die unglaublichen Farben der dort einheimischen Flamingos, all das taucht dann wieder in der Erinnerung auf. Vielleicht gönnt man sich sogar eine Pause und greift nach alten Urlaubsphotoalben, um darin entspannt zu versinken. Doch Frankreich kann überall sein. All die genannten Requisiten begegnen uns auch hier auf der keineswegs uncoolen Insel Spiekeroog. Wir haben  Meer, schwarze Stiere (Galloways), mindestens ein weißes Pferd, französischen Wein, wilde Landschaft. Doch nun trumpfen einige auf mit der Frage: „Und wo bleiben da die Flamingos?“ Augen auf, die haben wir sogar auch manchmal.

In der Weihnachtszeit 2009 war ein Zwergflamingo am Nordstrand und auf der Sandbank eine Woche lang zu Gast. Ob er krank war, ob es ihm zu kalt war, er wurde nicht glücklich hier. Ob sich sein trauriges Ende unter allen Flamingoarten rumgesprochen hatte, wird ewig unklar bleiben. Doch elf Jahre später gingen vier Flamingos auf die Reise, um die Nordsee kennen zu lernen. Ende Juli nahm das Quartett Kurs auf Spiekeroog und war begeistert. Die ruhige Ostplate, das weite Watt und viel Nahrung. Für sie tat sich ein Schlaraffenland auf, was ja jeder nachfühlen kann.

Märchen enden oft ganz anders als gedacht. Wir gehen davon aus, dass „unsere“ Flamingos glücklich sind und noch lange Zeit zu leben gedenken. Aber ob das hier sein wird? Das ist unwahrscheinlich. Sie kommen aus der angeblich nördlichsten Flamingokolonie überhaupt und wohl als einstige Flüchtlinge aus Zoos. Und diese Kolonie ist seit langer Zeit an der holländischen Grenze in Nordrhein-Westfalen bei Bentheim. Dort brüten drei verschiedene Arten im Zwillbrocker Venn, die schwerlich voneinander zu unterscheiden sind: der europäische Rosaflamingo und die südamerikanischen Chile- und Kubaflamingos. Ich will ja auch Zwillbrock nicht zu nahe treten; aber nach einem entspannten Urlaub auf Spiekeroog kann man selbst als Flamingo immer mal Ausschau halten.

Die stattlichen Vögel (in diesem Fall Chileflamingos) mit einer Spannweite von bis zu einem Meter und siebzig, den langen, im Fluge nach hinten überragenden Ständern und dem gewaltig langen Hals, der nicht wie bei Reihern in eine S-Form gebracht wird, sind sie sehr imposant, was durch das überwiegend rosa Federkleid, das weithin auffällt, noch betont wird. Hand- und Armschwingen sind schwarz, während die Flügeldecken knall rot leuchten. Auffallend ist ihre Art, Nahrung aufzunehmen. Der Hals wird nach unten gesenkt, bis der Oberschnabel den Boden berührt bzw. ins Wasser eintaucht. Dann wird mit seitlichen Bewegungen der mächtige gelb-schwarze Schnabel, der an ein Golfschläger-Teil erinnert, aufgefordert, Fressbares aus dem Wasser zu seien. Hier dürften es vor allem im Watt und in den Prielen kleine Garnelen sein. Auffallend sind bei unseren Gästen auch die gelblichen Augen und die dunkelroten „Kniegelenke“, die in Wirklichkeit Teile der Füße sind.

Jedem Spiekerooger und Inselgast sei nahegelegt, freundlich zu den sehr scheuen Chileflamingos zu sein, um Ihr Verweilen hier zur Freude aller noch ein Weilchen anhalten zu lassen. Edgar Schonart

 

Lesen Sie in unserer aktuellen Nr. 16 / 2020 vom 8. August: 

Windhose am 3. August über der Nordsee

Sagenhafte Strandfliederblüte

30 Jahre Kabelfernsehen auf der Insel

 

Den inselboten gibt es 26 mal im Jahr 2020: 

 Die nächste Ausgabe erscheint am 15. August 2020. 

Insel-Bad öffnete am 3. August

Am 3. August war es endlich soweit: Das InselBad auf Spiekeroog durfte nach vorübergehender Schließung endlich wieder öffnen und Gäste empfangen. Das dazugehörige DünenSpa bleibt zwar noch geschlossen, es werden jedoch ausgewählte Wellnessbehandlungen im Kurmittelhaus angeboten siehe aktuelle Nr. 15). Um die Sicherheit der Badegäste während des Aufenthaltes im Schwimmbad zu gewährleisten, wurde ein umfangreicher Plan entwickelt, sodass sorgenfrei geplanscht und entspannt werden kann. Zunächst sind vier Öffnungstage pro Woche vorgesehen und auch Schwimmkurse dürfen wieder stattfinden. Es dürfen jedoch immer nur maximal 37 Besucher gleichzeitig ins Bad und die Aufenthaltsdauer pro Gast ist vorerst auf maximal zwei Stunden begrenzt. Hierbei gilt zu beachten, dass die Schwimmzeit im Voraus online gebucht werden muss. Im Bad selbst wird der Einlass und Aufenthalt in den Umkleidekabinen und Duschen unter Kontrolle des Badpersonals gesteuert.

Generell erfolgt eine Kontaktminimierung zum einen durch das Herabsetzen der Besucherzahl und zum anderen durch die teilweise Sperrung von Umkleidekabinen, sowie Absperrungen und Markierung zum Einhalten des Sicherheitsabstandes. Außerdem gilt im Gebäude vom Eingang, über die Umkleidekabinen bis hinein in die Badehalle Mund-Nasen-Schutz Pflicht. Um ein höchstes Maß an Gesundheitsschutz zu gewährleisten, erfolgt alle drei Stunden eine Zwischenreinigung aller Griff- und Oberflächen, wie Handläufe an Beckenleitern, Wasserspielgeräte im Planschbecken oder Türgriffe.

Mögliche Quarantänefälle auf der Insel lösen

Der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) bei der Kreisverwaltung Wittmund gibt im Zuge der allgemein geplanten Öffnungen für den Fremdenverkehr einige konzeptionelle Hinweise für die Tourismuswirtschaft auf den beiden kreisangehörigen Inseln Langeoog und Spiekeroog. Diesbezüglich hatte es zuletzt beim Bürgertelefon des Landkreises immer wieder konkrete Anfragen gegeben. Grundsätzlich gilt: Wird bei Corona-Verdacht oder Infektion vom Gesundheitsamt eine 14-tätige Quarantäne für Inselurlauber angeordnet, müssen diese auf den Inseln bleiben und ausharren, bis Entwarnung gegeben wurde.

Sollte es also auf den Inseln zu Quarantänefällen kommen (darüber entscheidet nach wie vor das Gesundheitsamt), müssten Personen, die während Ihres Aufenthalts in Quarantäne versetzt werden oder als positiv getestet wurden, für die gesamte Dauer in Ihren Hotelzimmern bzw. in den Ferienwohnungen verbleiben. Es sei denn, ihnen wird in Absprache mit der Gesundheitsbehörde eine andere Unterkunft zugewiesen. Die Folgekosten gehen zu Lasten des Vermieters bzw. des Gastes, die sich darüber ggf. privatrechtlich auseinandersetzen können.

Diese Regelung kann in der Konsequenz auch bedeuten, dass Zimmer/Wohnungen im weiteren Verlauf für eine bereits vereinbarte Anschluss-Vermietung blockiert werden. Das muss aus Sicht der Kreisverwaltung dann so hingenommen werden. Möglicherweise können Kurvereine, Vermieterverbände etc. auch ein eigenes, gemeinsames Konzept für eine anderweitige Unterbringung auf den Inseln entwickeln (mit Zustimmung des Gesundheitsamtes).

Der Kreis empfiehlt den Vermietern zudem die frühzeitige Aufklärung der Urlaubsgäste über die möglichen Gefahren bzw. über die unausweichlichen Konsequenzen, wenn es zu positiven Testungen oder Quarantäneanordnungen kommen sollte.

Die Versorgung der Personen, für die Quarantäne angeordnet worden ist, sollte innerhalb der bestehenden Strukturen auf den Inseln organisiert werden. 

Zur weiteren Klarstellung: Herr des Verfahrens bei Urlaubern ist das Gesundheitsamt, wo diese ihren ersten Wohnsitz haben. Das Wittmunder Kreis-Gesundheitsamt kommt bei positiven Testungen informell mit ins Spiel, oder bei besonderen Regelungen, die es jeweils und/oder im Einzelfall zu treffen gilt.