Beats mit Botschaft

Der Kurpark bebte am Dienstag vergangener Woche. „Schuld“ war Cris Cosmo, Vollblutmusiker aus Mannheim mit seinem Schlagzeuger Michl Fischer. Was behutsam – „gechillt“, wie er es nannte – begann, entwickelte sich zu einer fetten Party und fast zu Stress für die geschätzten 700 Besucher – im besten Sinne. Denn Cris Cosmo, früher Straßenmusiker, bezog das Publikum intensiv mit ein in sein Inseldebüt, ließ sie Refrains seiner selbstgeschriebenen Texte singen, ließ sie immer wieder aufstehen, mittanzen, studierte regelrechte Choreografien mit ihnen ein: „Ohohoho“ und „lalala“ – die Leute machten mit, ließen sich gern anstecken von seinem Enthusiasmus, seiner Lebensfreude, seiner besonders lebensbejahenden und bedachten Welt-sicht. In seinem Titel „Blaues Gold“ etwa besingt der 41-Jährige die Bedeutung von sauberem Trinkwasser, in „Völker-verständigung“ geht es um Toleranz und Respekt gegenüber allen Menschen. „Ich find toll, dass er so gute Laune ver-breitet und seine tiefgründigen Texte“, Urlauberin Katharina Junge hat – gemeinsam mit vielen anderen großen wie kleinen Konzertbesuchern – den gan-zen Abend vor der Bühne getanzt, selbst in der Getränke-schlange kreisten viele Hüften. Ein Glück hatte Cris Cosmo gleich zu Anfang seines Konzerts augenzwinkernd verkündet, der Bürgermeister von Spiekeroog habe ein neues Gesetz entlassen, dass bei Kurzkonzerten alle Kinder so lange bleiben könnten, wie sie wollten. Und so tapsen nach Konzertende um 22 Uhr viele müdegetanzte Erwachsene, aber auch Kinder durch die Gassen nach „Hause“ – immer noch ganz begeistert: „Das war cool – oder, Mami?“, fand ein kleines Mädchen. Und Mami stimmte zu: „Ja, die haben echt gerockt!“ Carina Kopp

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Lesen Sie in unserer aktuellen Nr. 17/2019 vom 17. August:

 

Normenkontrollklage gegen neuen B-Plan

Minister Althusmann zu Besuch auf der Insel

Stiftungsfest: Tanz auf dem Kirchplatz

Spiekeroog IV bei „Rock im Watt“ ausverkauft

24. Beachcup mit neuen Sieger-Duos

Den inselboten gibt es 26 mal auch in diesem Jahr: 

 Die nächste Ausgabe erscheint am 24. August 2019.

 

„Aus einer Position der Stärke“

Die Insel wagte einen Blick in die Zukunft: Der aktuelle Stand eines neuen Tourismuskonzeptes und die Fortschritte der Nachhaltigkeitsinitiative standen auf der Tagesordnung der Einladung der Nordseebad (NSB) Spiekeroog GmbH im Inselkino. Fast 100 Spiekerooger waren gekommen und folgten den kompakten, informativen Präsentationen. Patrick Kösters präsentierte Ideen für ein neues Tourismuskonzept, das zuvor in verschiedenen Arbeitsgruppen auf breiter Basis entwickelt wurde. Der Bereichsleiter Tourismus benannte die Probleme Spiekeroogs wie unter anderem der Verkauf von Immobilien an Menschen, die mit ihren Häusern keinen Beitrag zum Fremdenverkehr mehr leisten. Kösters sieht deshalb „Handlungsbedarf am Fundament” der Insel und bezweifelt, dass der Markt allein die Schwachstellen beseitigen kann. Stattdessen warb Kösters für eine „proaktive Daseinsvorsorge” und „aktive Wirtschaftsförderung”. Konkrete Sorgenkinder sein der Fortbestand des Gepäcktransportes über das Jahr 2019 hinaus oder die Neukonzeption der Strandhalle. Das Thema Saisonalität gehört zum Kern des neuen Tourismuskonzeptes mit der Benennung eines verlässlichen Angebotes an Grundleistungen (Hotel, Gastronomie, Einzelhandel) auch im Winter. Ansgar Ohmes sagte, Tourismuskonzept und Nachhaltigkeitsinitiative würden in einem gemeinsamen Weg aus einer „Position der Stärke“ entwickelt, Spiekeroog befinde sich in keiner Notsituation. Das bestätigten dann auch die Referenten Martin Balas und Prof. Dr. Hartmut Rein von der BTE Tourismus- und Regionalberatungsfirma. Nachhaltigkeit bedeute nichts anders als Zukunftsfähigkeit – und hier sehen die beiden Experten viel Substanz auf Spiekeroog. Gäste würden Spiekeroog bereits heute als „grüne Insel” auch im Sinne von ökologischer Urlaubsdestination sehen. Die BTE-Referenten empfahlen der Insel, sich „nichts von außen aufdrücken zu lassen” sondern auf die eigenen Potenziale stolz zu sein. Danach stellten Teilnehmer der einzelnen Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse vor: Swaantje Fock und Carsten Heithecker vom Nationalparkhaus Wittbülten sprachen über Projekte in den Bereichen Nachhaltigkeit in der Gastronomie und den Beherbergungsbetrieben sowie im insularen Alltag, Dr. Dorothea Seeger (BUND-Meeresschutzbüro) berichtete über Vermeidung von Müll und Hartmut Brings (Inselbote) über die Öffentlichkeitsarbeit der Spiekerooger Nachhaltigkeitsinitiative.